Ausbildung zum Therapiehund

Therapiehunde machen keine Tricks

Die Ausbildung zum Therapiehund ist ein komplexes Themenfeld und hat nichts mit dem Erlernen von „kleinen Tricks“ von Tieren zu tun. Zwar setzen beide Trainingsarten eine sehr gute und auf Vertrauen basierende Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier voraus, jedoch muss ein Hundeausbilder fachliches Wissen mitbringen, um einen Hund in der Ausbildung zum Therapiehund zum verlässlichen Arbeitshund zu trainieren.

Ausbildung zum Therapiehund
Ausbildung zum Therapiehund

Die Unterschiede zwischen Tricks & Arbeit

Tricks lernen durch Routine und Belohnung

Zwischen dem Erlernen von Tricks und der Ausbildung zum Therapiehund bestehen große Unterschiede. Die meisten Haustiere erlernen mit ihrem Halter kleine Tricks und es spielt sich eine gewisse Routine im Alltag ein, die gewisse Reaktionen beim Tier hervorruft.

So erkennen Katzen das typische Verhalten ihres Menschen kurz vor der Fütterung. Geht der Katzenbesitzer zum Futtervorrat, kommen sofort alle Katzen angelaufen, miauen, springen hoch, wuseln um die Beine. Auch Meerschweinchen wissen, wann es sich lohnt, für Futter laut zu quieken. Sie erkennen das Rascheln von Futterpackung, der Salattüte oder das Geräusch beim Anschneiden einer Salatgurke und schon kommunizieren sie mit ihrem Besitzer.

Mit der Belohnung durch ein Leckerli lassen sich bei den meisten Tierrassen kleine oder größere Tricks einüben, die bei wiederholtem Training gezielt abgerufen werden können.

Ausgebildete Hunde arbeiten

Die Ausbildung zum Therapiehund basiert in wesentlichen Teilen ebenfalls darauf, aber vermittelt dem Hund, dass er beim Tragen einer Kenndecke am Arbeiten ist. Ein Hund, welcher bei der Arbeit ist, verrichtet Aufgaben, die er zuvor erlernt hat und auf Kommando abrufen kann.

Dabei ist beidseitiges Vertrauen zwischen Hundeführer und Hund absolute Grundvorraussetzung. Das Tier arbeitet unter der Kenndecke hochkonzentriert und lässt sich nicht ablenken. Während ein Vierbeiner, der Tricks beherrscht durchaus ablenkbar und unkonzentriert sein kann und darf.

Tradieren: Hunde lernen vom Co-Trainer

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung zum Therapiehund ist das Tradieren. Dabei lernt der Ausbildungshund nicht nur vom Hundeausbilder, sondern auch von bereits gut ausgebildeten Therapiehunden. Das auszubildende Tier kann sich im Training bestimmte Verhaltensmuster beim Co-Trainer abschauen und nachmachen.

Tradieren bei Ausbildung zum Therapiehund
Tradieren bei Ausbildung zum Therapiehund

Eignet sich jede Hunderasse für die Ausbildung zum Therapiehund?

Während fast jede Hunderasse Tricks einüben kann, ist nicht jede Hunderasse für die Ausbildung zum Therapiehund geeignet. Ob eine Hunderasse für die tiergestützte Therapie-Ausbildung geeignet ist, hängt von Rasse- und Zuchtkriterien sowie vom Charakter des jeweiligen Tieres ab.

Alter entscheidet über Ausbildungserfolg

Auch das Alter, indem die Ausbildung zum Therapiehund begonnen wird, spielt eine Rolle. Filiz beginnt im Alter von 8 Wochen mit einfachen Grundübungen und steigert dann die Herausforderungen für den Azubi. Die gesamte Hundeausbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Jahren, bis der Azubi seine Prüfung machen kann.

Arbeitshund und Gebrauchshund – Welche Rassen eignen sich?

Ob ein Hund als Arbeitshund bzw. Gebrauchshund geeignet ist und für welche Tätigkeiten sich ein Hund eignet, hängt von vielen Faktoren ab.

Hier ein paar Beispiele, welche Hunderassen sich tendenziell für welche Arbeit eignen.

  • Schäferhund
  • Bernhardiner
  • Collie
  • Husky
  • Rottweiler

In jedem Fall müssen rassespezifische Merkmale, körperliche und gesundheitliche Merkmale sowie das Wesen des Tieres über die Eignung für die Ausbildung zum Therapiehund entscheiden.

Welches Wesen müssen Therapiehunde haben?

Einerseits ist eine natürliche Neugier unabdingbar, andererseits muss ein Ausbildungshund in der Lage sein, sich führen zu lassen und konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Die Hunderasse Chihuahua beispielsweise ist – ungeachtet der Körpergröße – tendenziell nicht geeignet, um ihn auszubilden. Diese Rasse besitzt ein intelligentes und kesses Wesen, das seinen eigenen Kopf hat. Zwar sind diese kleinen Hunde überaus intelligent, neigen aber dazu, einfach zu machen, was sie wollen. Und sie haben den Hang zur Nervosität, brauchen daher häufig eine Rückzugsmöglichkeit. Ihr Wesen ist nicht belastbar.

Andere Hunderassen wie etwa der Collie brauchen Beschäftigung und zeichnen sich durch einen unkomplizierten und dem Menschen zugewandten Charakter aus. Collies brauchen Arbeit und sinnvolle Beschäftigung, damit sie nicht unterfordert sind. Ihr Wesen ist darauf ausgerichtet, äußerst sozial zu sein und ihnen liegt das Hüten und Beschützen. Sie sind frei von Aggressivität und haben keine Tendenzen zu Nervosität. Eine solche Hunderasse ist geradezu prädestiniert für die Ausbildung zum Therapiehund.

Hohe Anforderungen an den Hundeausbilder

Nicht nur an das Tier werden hohe Anforderungen gestellt, sondern auch an den Hundeausbilder. Es genügt nicht, die Arbeit mit Tieren zu leben und es reicht nicht, mit Tieren arbeiten zu wollen. Das Elementarste, was ein Tierausbilder braucht, ist höchste Empathie zum Tier. Neben dem Einfühlungsvermögen ist Sachkunde ebenso unverzichtbar wie ein Höchstmass an Verantwortung.

Nach der Ausbildung zum Therapiehund
Nach der Ausbildung zum Therapiehund: Der Hund fungiert als Co-Trainer und „klettert“ mit dem Kind an der Sprossenleiter hoch. Indem der Therapiehund mit seinen Vorderpfoten an der Wand immer höher klettert, ermutigt er das Kind, diese Übung mitzumachen.

Ausbildung zum Therapiehund – keine Ausbeutung des Tieres

Wenngleich sich Themenunkundige am Begriff „Arbeiten“ im Zusammenhang mit Tieren stören, handelt es sich nicht um eine Ausbeutung des Tieres, wenn es die Ausbildung zum Therapiehund durchläuft. Über viele Jahrhunderte wurden diversen Hunderassen eben jene Eigenschaften angezüchtet, die sie für die Verwendung als Arbeitshund bzw. Gebrauchshund verwendbar machen.

Das Verrichten von geeigneten Arbeiten, das erledigen von Aufgaben und die Übernahme von Entscheidungen sind daher für das Wesen und das ausgeglichene Gemüt der Tiere elementar. Bestimmte Hunderassen leiden durch Unterforderung und Langeweile, nicht durch sinnvolle Aufgaben.

Der Hundeausbilder muss daher zwingend wissen, welche Aufgaben für die Ausbildungshunde sinnvoll und welche nicht für die Hunde zumutbar sind und mit einem Höchstmaß an Verantwortung auch gegenüber dem Tier arbeiten.

Oberste Prämisse: Ausbildung zum Therapiehund niemals auf Kosten des Tieres.

Auch hier ein Beispiel:

Filiz trainiert mit ihren Hunden bei Eignung das Schieben des Rollstuhls. Ziel ist es jedoch nicht, dass der Ausbildungshund den Rollstuhl viele Meter weit schiebt, denn dies wäre für den Körper des Hundes niemals zuträglich. Ziel des Trainings ist es daher, dass der Behindertenbegleithund im Notfall den Rollstuhl nur wenige Meter schieben kann, um beispielsweise den Rollstuhlfahrer aus einer akuten Gefahrensituation zu bringen.

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